November 2011: Die KVWL ändert (Re-)Zertifizierungsregeln zum KPQM
Der neue Lenkungsausschuss hat Änderungen der Zertifizierungsbedingungen für 2012, spätestens 2013 beschlossen. Für die Rezertifizierung muss die Praxis nun fünf überarbeitete oder fünf weitere, neue Verfahrensanweisungen KPQM-gerecht, d. h. als Flow Chart, entwickelt und eingeführt haben.
Folgendes wird betont bzw. neu eingeführt:
- Zusätzlich mindestens fünf überarbeitete oder neue Prozesse seit dem letzten Audit
- Vorlage folgender Aufzeichnungen, als Nachweis „gelebten" QMs
- Jährliche Aufzeichnung zu den mindestens 2 dokumentierten Qualitätszielen sowie zur Bewertung der Zielerreichung
- Aufzeichnung zu mindestens 4 durchgeführten Teambesprechungen pro Jahr
- Aufzeichnungen zum Beschwerdemanagement
- Aufzeichnungen zu mindestens 2 verwendeten Verlaufsindikatoren
- Nachweis der Umsetzung der dokumentierten Feststellungen sowie Erläuterung zum Umgang mit den dokumentierten Verbesserungspotenzialen
Bis zum 31.12.2012 dürfen gleichzeitig noch Rezertifizierungen nach den Anforderungen Erst-Zertifizierung angeboten und durchgeführt werden.
Maßgebliches Datum ist der Zeitpunkt des Vor-Ort-Audits. Vorlage eines KPQM-Qualitätsberichts mit
[Erstzertifizierung]
- Deckblatt gem. Vorgaben mit Unterschrift der Praxiseigentümer [ergänzt (Holzkn.)]
- Inhaltsverzeichnis [ergänzt (Holzkn.)]
- Beschreibung der Praxisstruktur mit Organigramm
- Beschreibung der Qualitätspolitik mit Definition von mindestens 2 Qualitätszielen und
- Darstellung von mindestens 10 Praxisprozessen (Arbeitsanweisung und Flow-Chart)
- Notfallmanagement
- Teambesprechung
- Beschwerdemanagement
- Kooperation und Management an den Nahtstellen der Versorgung o 6 weitere Prozesse
Kompletter Text: Anschreiben der KVWL an Zertifizierer und Auditoren
MQN Kommentar:
Man sieht hier, dass weiterhin die Dokumentation des ärztlichen QM im Vordergrund steht. Das macht den Anschein, dass Qualitätsmanagement einzig darin bestehe ein QM-Handbuch zu führen und die jeweiligen Vorgaben zu erfüllen. Zudem wird (nicht nur auf KVWL-Ebene) diskutiert, ob es erforderlich ist diejenigen Praxen zu sanktionieren, die QM nicht oder nicht korrekt durchführen.
Wenn man dagegen einmal die Aussagen von E. Deming, dem vielleicht wichtigsten Vordenker und sozusagen Erfinder des QM hält, kann man diese Frage kaum nachvollziehen. Deming war aus gutem Grund entschieden gegen Sanktionierungen aller Art, somit auch gegen Belohnungen. Nach Deming schließen sich Qualitätsmanagement und Sanktionierungen aller Art aus.
Wenn, wer auch immer, das Qualitätsmanagement in Richtung auf ein Zwangs- oder Kontrollsystem "weiterentwickelt", sollte wenigstens so ehrlich sein und den guten Namen "Qualitätsmanagement" für sein System nicht ge- bzw. missbrauchen.
gez.
A. Holzknecht
Deming´s Ansichten - die 14 wichtigsten Regeln
Der US-Amerikaner William Edwards Deming gilt als Vater des "Total Quality Management" – TQM.
Er fasste seine Empfehlungen in "14 Schritte" zusammen. Seine Empfehlungen haben sich in der Praxis in Japan und später den USA als erfolgreich erwiesen. Sie sind Grundlage des japanischen Deming-Preises, auf dessen Vorbild später der vom US-Kongress begründete Malcom Badridge National Quality Award aufbaute.
In Europa ist die Weiterentwicklung durch die European Foundation für Quality Management, EFQM, erfolgt, weitere Informationen im Internet www.deming.ch.
Demings 14 Schritte zur Qualitätsverbesserung sind[1]:
1. Schaffe den festen Willen zur ständigen Verbesserung im Unternehmen.
Dieser Punkt wird als ein Eckpfeiler der Demingschen Lehre angesehen.
Siehe auch Punkt 14.
2. Schaffe ein Bewusstsein für Qualität. Eine neue Denkweise ist
erforderlich, wie Japan es gezeigt hat. Bessere Qualität zu geringeren
Kosten ist möglich, wenn die Variation menschlicher Leistungen, des
Materials, der Prozesse und Produkte verkleinert wird.
3. Beseitige die Abhängigkeit von Vollkontrollen. Beende die Notwendigkeit
und Abhängigkeit von Vollkontrollen, um Qualität zu erreichen.
Sortiervorgänge sind das Einverständnis, dass der Prozess nicht in der
Lage ist, ausnahmslos fehlerfreie Produkte zu liefern. … Qualität kann
nicht erprüft, sie muss erzeugt werden.
4. Richte dich nicht allein nach dem billigsten Angebot. Beende die Praxis,
Aufträge einzig dem billigsten Anbieter zu erteilen. Berücksichtige die
Gesamtkosten. Suche langfristige Lieferbeziehungen, die auf
gegenseitigem Vertrauen und gegenseitiger Loyalität fußen.
5. Verbessere ständig die Systeme. PDCA-ZyklusSuche ständig nach
weiteren Verbesserungen des Systems, um die Qualität von Produkten
und Dienstleistungen zu erhöhen, die Produktivität zu steigern und
gleichzeitig die Gestehungskosten zu senken. Es gibt immer
Möglichkeiten, noch bessere Leistungen zu noch geringeren Kosten zu
erbringen. Es gibt kein Optimum. Klassisch ist dabei der "Deming-Zirkel"
6. Schaffe moderne Ausbildungsmethoden. … und sorge für
Wiederholtraining am Arbeitsplatz. Der Mitarbeiter muss nicht nur darin
unterwiesen werden, wie er seine Arbeit zu tun hat. Er braucht
Verständnis für den Zusammenhang, in dem seine Arbeit steht, und für
die Abläufe in seinem Bereich.
7. Sorge für richtiges Führungsverhalten.
Sorge für eine motivierende Führung, die den Mitarbeitern hilft, bessere
Arbeit zu leisten. Die Erfahrung lehrt, dass mindestens 85 Prozent aller
Fehler von einem mangelhaften System und nicht von einzelnen
Mitarbeitern verursacht werden. Allein die Führung hat die Möglichkeit,
Fehler im System zu beheben.
8. Beseitige die Angst, sodass jeder effektiv für die Organisation arbeiten
kann. Angst ist eine häufige Ursache von Fehlern. Sie entsteht immer
dann, wenn der einzelne das Gefühl der Ohnmacht gegenüber anderen -
etwa seinen Vorgesetzten - oder dem System hat, in Dingen, die sein
Leben oder seine Arbeit eng berühren. Deming vertritt die Auffassung,
dass 94 Prozent aller Fehler dem Management und nur 6 Prozent den
Ausführenden zuzuordnen sind. Zahlreiche empirische Untersuchungen
bestätigen diese Regel - so R. Bondt[2].
9. Beseitigen Barrieren zwischen Geschäftsbereichen.
10. Setze positive Ziele statt negativer Kritik.
Im Original: "Vermeide Ermahnungen. Beseitige Slogans, Aufrufe und Ermahnungen. …Nur das gute Beispiel der Vorgesetzten im Rahmen einer durchschaubaren Organisation schafft die Voraussetzungen für eine Verbesserung der Qualität.
11. Betone die Qualität der Leistungen, nicht die Quantität. Verzichte auf quantitative Vorgaben.
Beseitige Leistungsvorgaben, die zu erreichende Ziele willkürlich festschreiben. Die Produktion soll nicht nach Stückzahl, sondern nach Qualität ausgerichtet werden. Jede numerische Stückzahlvorgabe ist eine Mauer gegen die Qualität und somit auch gegen die Produktivität.
12. Ermögliche Stolz auf gute Arbeit.
Beseitige alles, was das Recht jedes Werkers und jedes Managers in Frage stellt, auf ihre Arbeit stolz zu sein.
13. Fördere Qualifikation und Weiterbildung.
Schaffe ein durchgreifendes Ausbildungsprogramm und eine Atmosphäre der Selbstverbesserung für jeden einzelnen.
14. Mache die ständige Verbesserung von Qualität und Produktivität zur Aufgabe der Unternehmensleitung
15. R. Bondt [3] entnimmt den Schriften noch folgende Differenzierungen der Regel 14:
Regel 14a: Stelle die aktive Beteiligung jedes Mitarbeiters an der Neuausrichtung einer Firma sicher.
Dazu gibt es kein Kochbuch, kein Anwendungsmodell, keine Musterdokumentationen wie bei ISO 9000. Deming hat zwar einen siebenteiligen Aktionsplan ausgearbeitet, aber die wahre Veränderung beginnt mit dem Beschluss, die Elemente der Lehre Demings anzuwenden, und mit der Bereitschaft der Geschäftsleitung, das dazu nötige Wissen zu erarbeiten und Führungsaufgaben wahrzunehmen. Diese Verpflichtung lässt sich nicht delegieren, denn was man nicht versteht, lässt sich auch nicht verändern.
Regel 14b: Übernimm Methoden und Verfahren anderer erst dann, wenn alle Grundlagen und Voraussetzungen bekannt sind und verstanden werden. Beispielhaftes Verhalten allein lehrt nichts, wenn die Theorie dahinter nicht begriffen wird.
Juni 2011: Die KVWL entwickelt KPQM weiter
Im Juni 2011 wurde ein Fragebogen zum QM in der Arztpraxis versandt. Die KVWL hat eine Studie in Auftrag gegeben um den Stand der Umsetzung des QM und die Bewertung durch die Mitglieder der KVWL zu erfahren. Die KVWL will offenbar ihr eigenes QM-System "KPQM" gegenüber den Konkurrierenden Systemen stärken und Information für die Argumentation gegenüber der KBV und dem G-BA gewinnen.
Hier der Text des Anschreibens und des Fragebogens: